Europa lebt in Maastricht

Veröffentlicht auf von André

Wer die Sint Servaasbrug in Maastricht überschreitet, der wird nicht nur eine Sprache aufschnappen. Die Stadt im südlichsten Zipfel der Niederlande hat dem Gründervertrag der EU ihren Namen gegeben - und der Vertrag hat der Stadt eine europäische Berufung gegeben. So überschreiten die älteste Stadtbrücke nicht nur ortsansässige Limburger, sondern auch Studenten und Dozenten der Universiteit Maastricht, die aus ganz Europa in die Stadt kommen. Englisch, deutsch, französisch, spanisch, italienisch und niederländisch - allein ein Rundgang durch Maastricht kann dem Besucher bereits die wichtigsten Begriffe dieser Sprachen beibringen. Und während in der kuscheligen Festungsstadt die niederländische Sprache noch am weitesten verbreitet ist, hat in Studentenkreisen bereits das Englische die Oberhand gewonnen.
Maastricht bietet nämlich nicht nur Studiengänge auf niederländisch, sondern auch ein umfangreiches Repertoire an englischen Bachelors und Masters an. Das lockt vor allem die östlichen Nachbarn an: Den größten Anteil der auswärtigen Studenten machen junge Deutsche aus. Sie lockt die Perspektive, eine gute Ausbildung auf englisch in einem europäischen Umfeld zu bekommen. In der Tat tragen viele Studiengänge das Wort Europa im Namen und bereiten speziell auf eine Funktion in europäischer Politik oder Wirtschaft vor. Die Bandbreite reicht dabei von "European Studies" über "European Law", "International Business" und "International Economy Studies" bis hin zu "European Public Health". Letzteres ist in Europa einmalig und ebnet den Weg in die Verwaltung des europäischen Gesundheitswesens.
Die Universiteit Maastricht ist dabei über die Grenzen der Niederlande hinweg für ihr unkonventionelles System bekannt. Entgegen dem Produzenten-Konsumenten-Verhältnis an vielen deutschen Universitäten ist in Maastricht der Student der Bereiter seines eigenen Wissens. Das System heißt Problem Based Learning. Zweimal pro Woche treffen sich die Studenten in Kleingruppen mit einem Tutor und diskutieren die Ergebnisse ihrer bisherigen Recherchen. Mit neuen Lernzielen verlassen sie das Tutorium und arbeiten anhand dieser weiter im Stoff. So soll der Student lernen, nicht nur die globale Aussage eines wissenschaftlichen Textes zu verstehen, sondern auch gezielt aus deren Kontext Informationen zur Beantwortung seiner Lernziele heraus zu suchen.
Das System hat Vorteile und Nachteile. Wem das selbstbestimmte Lernen liegt, der wird im PBL-System seine Erfüllung finden. Benötigt man aber feste Studienstrukturen mit regelmäßigen Vorlesungen und Wiederholungen, dann ist die Universiteit Maastricht vermutlich die falsche Wahl.

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